INTRO // INTERVIEW
Robert_Sartori, ABD MAGAZINE

F O T O S
Christoph_Weiermair

Nostalgia hat sich, wie mittlerweile viele Crews, einer unfehlbaren Erfolgsstrategie verschrieben, die die Herzen der Internet-Fangemeinde stets höher schlagen lässt: Klassische VX 1000 Footage gepaart mit cleveren Hashtags. Die vollendeten Produktionen haben, aufgrund von digitaler Nachbearbeitung und Musikauswahl, einen etwas melancholischen Beigeschmack, der allerdings perfekt zu dem Gesamtkonzept passt und vor allem den Zusammenhalt der Crew perfekt in Szene setzt. Jedes der bisher erschienenen Videos ist mehr als sehenswert, weshalb Nostalgia ein gewisser Status nicht mehr abgesprochen werden kann. Höchste Zeit also, dass uns „Commander“ und Nostalgia Mastermind Michael Grausam einige tiefgründige Fragen über sein kreatives Schaffen beantwortet.

Viele Skatecrews haben eine besondere Affinität für den klassischen VX 1000 Style. Was ist deine Motivation die VX nicht an den Nagel zu hängen

Warum wir die VX nicht aufgeben? Ich mag den Look extrem, für mich kommt so das skaten am authentischsten rüber. Ein weiterer Grund ist, dass fast jeder von uns eine eigene VX besitzt und diese noch alle einwandfrei funktionieren. Natürlich gibt es auch HD-Videos die mir sehr gut gefallen, wobei ich hier nicht an übertriebene Slow-Mos und Drohnen Aufnahmen denke. Solange es aber nicht wirklich Probleme mit der VX1000 gibt und die Tapes noch erhältlich sind, werden wir auch in Zukunft noch damit filmen. VX FOREVER!

Du hast ja auch vor Nostalgia unter dem Namen Grausames Linz eigene Videos und Clips produziert. Was hat sich in dieser Zeit geändert? Gehst du noch mit den selben Leuten filmen?

„Grausames Linz“ ist ungefähr 10 Jahre her und damals war noch alles ziemlich unbeschwert. Ich hatte gerade meine Matura geschafft und mir meine erste VX1000 zugelegt. Es gab kein Instagram, dafür jede Menge Blogs welche ich auch leidenschaftlich verfolgt habe. Gerade bei den Blogs waren die Inhalte teils wirklich gut und ich habe dadurch auch viele Leute kennengelernt. Dann kam die Facebook Ära, was mehr oder weniger alle Blog’s gekillt hat. Naja und jetzt haben wir halt Instagram. Ich bin wirklich dankbar für Instagram, vor allem in der Anfangszeit als alle Posts chronologisch angeordnet waren machte es richtig Bock. Leider wurde irgendwann dieser Algorithmus eingeführt und Instagram meint nun zu bestimmen, was gefallen könnte und was nicht. Sehr oft gehen dadurch qualitative gute Clips sehr schnell unter, im Gegensatz dazu wird oft der ärgste Müll gefeiert wie Sau. Bin fast sicher da wird früher oder später was Neues kommen. Von den Leuten mit denen ich früher unterwegs war, haben einige aufgehört zu skaten, man unternimmt zwar noch Sachen abseits vom Skateboarden, wie Bier trinken, aber ich hab auch überhaupt kein Problem mit der jüngeren Generation oder anderen Leuten skaten zu gehen.

„Von einigen Leuten werde ich liebevoll „Commander“ genannt.“

Jedes Jahr ein neues Video, eine erstaunliche Frequenz und nur einer motivierten Crew möglich. Pusht ihr euch gegenseitig oder bist du der Motivator, der Trips plant und die Leute antreibt?

Von einigen Leuten werde ich liebevoll „Commander“ genannt. Dennoch muss ich bei uns keinen motivieren um Footy zu sammeln, ganz im Gegenteil. Wie schon oben erwähnt besitzt jeder von uns eine VX und kann auch damit umgehen, so ist’s echt einfach dass man genug Footy zusammen bekommt. Bei den Trips bin ich schon gern mal derjenige der die Reiseleitung übernimmt, zumindest wenn die Reisedestination nicht gerade Barcelona heißt, das übernimmt dann der Renner…haha Wahrscheinlich war ich einfach schon zu oft unorganisiert unterwegs und irgendwann geht’s einem selbst einfach am Arsch, wenn du mit einer Gruppe unterwegs bist und keiner hat einen Plan. Da ist es mir schon lieber in Ruhe eine Spotmap vorzubereiten. Hört sich für viele wahrscheinlich nerdig an, aber es macht alles soviel entspannter wenn man im Urlaub nicht mehr nach Spots suchen muss, sondern einfach die Adresse ins Navi vom Leihauto klopft und fertig.

Die Linzer Szene hat sich über die Jahre doch sehr verändert.  Schwelgst du in Nostalgie und schwärmst von alten Tagen, oder siehst du eine positive Entwicklung?

Die Linzer Szene, also der richtige Kern, ist halt schon sehr klein geworden, und auch da macht irgendwie jeder sein eigenes Ding kommt mir vor. Man denkt schon gerne zurück an die alten Zeiten, aber ich glaube das ist normal. Solange es wenigstens ein paar Leute gibt die mit Leidenschaft dabei sind ist alles gut.

Auf euren social media Kanälen wird das Thema Olympia generell sehr humoristisch behandelt. Was ist deine Meinung zu Olympia und was steckt zwischen den vielsagenden Hashtags, go for bronze etc?

Naja Olympia ist für mich persönlich für’n Arsch, ich kann damit einfach nichts anfangen. Aber jedem seins und ich finde es auch nicht schlimm wenn’s jemanden taugt. Diese ganzen Mega Contests wie Street League, Tampa usw. ist ja nichts anderes als ein Kräfte Messen der Top Athleten und die Vorstufe zu Olympia, für mich schlicht uninteressant. Da schaue ich mir lieber zum hundertsten Mal ein altes WHY Video an. Zu den Hashtags, angefangen hat alles 2017, als dieser „BATTLE MY CREW“ Contest stattgefunden hat, das Video findet man auf unserem Vimeo Account falls es wer nicht kennt. Wir nahmen den Contest mit Humor und hatten Olympia als Thema gewählt, damit erreichten wir letztendlich den sportlichen dritten Platz, deshalb auch #goforbronze #tokyo2020 usw.

Wenn man deine Video sieht erkennt man einen leichten Hang zur Perfektion. Was ist dir bei einem Videoprojekt wichtig, was möchtest du dem Zuseher vermitteln?

Das Gefilmte soll einheitlich wirken, sprich das komplette Video ist im besten Fall mit einem Kameratyp gefilmt , bei uns halt mit der VX1000. Schön ist’s auch immer wenn das Crew-Feeling rüberkommt und die Leidenschaft jedes einzelnen zur Geltung kommt. Jeder Videomacher setzt dass etwas anders um und entwickelt seinen Style. Ich versuche es auf jeden Fall immer vorrangig so zu machen, dass es allen taugt die im Video einen Part haben, wenn’s dann andere Leute auch noch feiern ist’s umso schöner.

Jedes Video dokumentiert einen Lebensabschnitt. Was ist deine beste Erinnerung, wenn du an die Entstehung von Nostalgia 3 denkst?

Genau in dieser Zeit ist die Idee entstanden eine Boardcompany aus NOSTALGIA zu machen. Dieser ganze Prozess war sehr langwierig, da ich einfach alles selbst in die Hände genommen habe, angefangen von der Website, über den Online Shop bis hin zur Board-Beschaffung. Jeder erfolgreiche Unternehmer würde davon abraten, und diese Dinge in Auftrag von Profis geben, im Nachhinein betrachtet bin ich aber sehr froh, dass ich es geschafft habe alles selbst auf die Beine zu stellen. Ich freue mich bis heute wahnsinnig über jede noch so kleine Bestellung und bin für jeden Support dankbar.

Mittlerweile ist es dir auch gelungen Nostalgia Boards produzieren zu lassen, die einen sehr guten Ruf genießen. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt und wo sind die Boards erhältlich?

Zu dieser Zeit hatte keiner von uns einen Boardsponsor. Gerade bei Leuten wie Thomas (Renner) und Philipp (Nelweg) konnte ich das nicht wirklich verstehen, weil sie einfach abliefern wie nur ganz wenige in Österreich. Klar hat jeder überall seine Connections und Deals und bekommt was günstiger, aber ist halt trotzdem alles etwas seelenlos. Ich habe dann alle gefragt was sie von der Idee halten und jeder war motiviert. Ich dachte mir, im schlimmsten Fall, also wenn keiner kauft, müssen wir halt für die nächsten Jahre dieselbe Grafik fahrn…haha. Zum Glück konnten wir aber einige andere auch davon überzeugen und so versuche ich einfach weiterzumachen und immer wieder neue Sachen rauszubringen. Die Boards kann man übrigens über unsere Website bestellen (www.nostalgiaskateboarding.com) und sind auch im Radix Skateshop (Linz) erhältlich. Der nächste Schritt wird sein, dass es die Boards auch in Wien und Graz in ausgewählten Shops zu kaufen gibt.

 

 

 

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